Ostseeküste & Fluss: Fischen mit dem Schusskopf

von Martin Laub

Ein Schusskopfsystem besteht aus dem untereinander mit Schlaufen verbundenen Backing, einer Running - oder Shooting Line, dem eigentlichen Schusskopf (bei Bedarf ergänzt um ein Polyleader ) und dem Vorfach.

 

Martin Laub

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Der Vorteil der Schusskopffischerei besteht (neben der etwas größeren Wurfweite) insbesondere darin, dass man durch schnelles Aus- und Einschlaufen der Schussköpfe flexibler auf sich verändernde Bedingungen reagieren kann als derjenige, der jeweils 28 m Vollschnur von der Rolle ziehen muss und dann anfängt zu überlegen, wie er die Schnur am besten verstaut.

Wer beispielsweise an der Küste auf Meerforellen unterwegs ist, wird grundsätzlich mit der Einhandrute und mit schwimmenden und intermediate Schussköpfen in Längen um die 10 m fischen, bei aufkommendem Wind einen kürzeren Schusskopf von vielleicht lediglich 8,5 m bis 9 m Länge
und bei einsetzender Windstille einen längeren Schusskopf von über 11 m wählen.

Fische ich bei anderer Gelegenheit mit meiner Einhandrute am Fluss auf Lachs oder Meerforelle, nehme ich zusätzlich sinkende und schnell sinkende Schussköpfe mit, will ich am Wochende auf Hecht, kommen kurze Schussköpfe von 6 m - 8,50 m in floating, intermediate oder sinking zum Einsatz.

Der jeweilige Wechsel von einem Schusskopf zum anderen dauert nicht viel länger als das Anknoten einer neuen Fliege (ich übertreibe ein bischen...). Der besondere Vorteil der Schusskopffischerei besteht somit - neben dem Zeitvorteil am Wasser - auch darin, dass ich mit einer Runningline und einer Auswahl an Schussköpfen das gesamte Spektrum der Einhand-Fischerei abdecken kann.

Gleiches gilt natürlich auch für die Fischerei mit Zweihandruten:
Beim Skagit Cast werden Schussköpfe von 6,60 m bis 8,20 m, beim Scandinavian Underhand Cast von 8,60 m bis 12 m eingesetzt, beim Überkopfwurf dürfen es dann 12 m - 16 m sein (aber selbstverständlich auch lediglich 9 m, wenn der Rückraum beschränkt ist) und als Speycaster bewege ich mich im Bereich von 16 m bis über 20 m.
Unabhängig davon, ob ich nun underhand oder overhead werfe, ob mir 9 m zu kurz oder 13 m zu lang sind:
Im Ergebnis ist es einfach immer angenehmer, innerhalb von Sekunden von einem kurzen auf einen längeren zu einem ganz langen oder von einem schwimmenden zu einem sinkenden Schusskopf wechseln zu können, ohne daraus jeweils eine Staatsaffäre machen zu müssen. Und weil einem der Wechsel von einer Vollschnur zur anderen manchmal zu lästig ist, läßt man es dann halt.....
Der zweite gewichtige Vorteil der Schusskopffischerei besteht natürlich darin, dass ich die Runningline frei wählen kann - ob nun monofil oder mit Coating, schwimmend oder intermediate, mit einer geflochtenen Standardseele, Power Core, Mono-Seele und und und  - es ist alles möglich...

 

Martin Laub

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Die SCHUSSKÖPFE

Shooting Heads
"Normale" Schussköpfe sind "getapert", weisen also ein zur Spitze auslaufendes Fronttaper in unterschiedlicher Länge (1,50 m bis 8 m) auf. Aufgrund des sich verjüngenden Durchmessers der Schnur verringert sich die Kraftübertragung in Richtung Fliege, was in Verbindung mit einem entsprechenden (ggf. ebenfalls getaperten/gezogenen) Vorfach eine saubere und akkurate Präsentation der Fliege ermöglicht, wie es beispielsweise für die Meerforellenfischerei erforderlich ist.
Neben diesen Schussköpfen im klassischen Sinne gibt es natürlich auch einige Spezialschnüre, die bei bestimmten Anwendungen ihre Vorteile ausspielen können: BOOSTER Shooting Heads
Haupteinsatzbereich für diese Art von Schussköpfen ist die Watfischerei auf Hecht. Die BOOSTER Shooting Heads sind meist um die 8 m lang und verfügen über ein sehr kurzes und kräftig auslaufendes Fronttaper von maximal 150 cm Länge. Hintergrund hierfür ist, dass lang und dünn auslaufende Fronttaper nicht über die erforderliche Masse verfügen, um die Schnur bei großen und größten Streamern abrollen zu lassen.

EXTREME Shooting Heads
Eine Stufe weiter gehen insoweit die EXTREME Shooting Heads in ihren Längen von 6 m bis 8 m. Sie verfügen über gar kein Fronttaper und kommen ebenfalls bei der Hechtfischerei (auch und gerade vom Belly Boat aus) zum Einsatz, bei der man aufgrund der niedrigen Sitzposition und der Größe der Streamer, Bunnies etc. nun wirklich keinen 10 m Schusskopf brauchen kann.
 
Ergänzt wird der Schusskopf lediglich durch ein 1 m - 1,50 m langen eingeschlauften Polyleader (floating / intermediate / sinking) oder ein Mono Leader in 0,70 mm - 0,90 mm Stärke (und das (Stahl-)Vorfach).


SKAGIT Shooting Heads
Das Werfen im Skagit-Stil erfolgt mit kurzen schweren schwimmenden Schussköpfen. Aufgrund der großen Masse der maximal 27 ft. (8,20 m) langen Schussköpfe ist es hierbei möglich, schwerste Sinktips und übergroße Fliegen über weite Entfernungen zu werfen, wobei der Wurf selber in Relation zu anderen Würfen eher als entspannt zu bezeichnen ist. Ein weiterer Vorteil besteht, ähnlich wie beim Underhand Cast, darin, dass man mit minimalem Rückraum auskommt. Die Schussköpfe verfügen lediglich über ein kurzes Reartaper, anstelle des Fronttapers werden level line sinktips zwischen 2 ft- 15 ft. (60 cm - 4,50 m) Länge eingeschlauft.

 

Martin Laub

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