Südschweden - meine erste Meerforelle

von Oliver Vogt, Bad Münder

 

Samstag, 30.04.2011

Ankunft gegen 14:00 Uhr über die Fährlinie Puttgarden- Rodby und  der  Fahrt über die Oeresundbrücke im Ferienhaus in der Region Asarum. Nach erledigten Einkäufen und Entladen des Autos sind wir erst mal für ein kleines Erholungsschläfchen ins Bett gefallen und haben anschließend einen netten Abend mit lokalen Köstlichkeiten verbracht.

Sonntag, 01.05.2011

Wetter recht durchwachsen. Ostwind mit Regen bei max. 10°C. Brrrr. Das fängt ja gut an.

Erkundungstour der regionalen Put &Take Gewässer vorgenommen. Grundsjön bei Halabäck und Abborresjön in Asarum nach langer Sucherei entdeckt um leider feststellen müssen, dass hier für Fliegenfischer nichts zu holen ist.  Am Grundjön waren viele Ansitzangler, eine in Schweden nicht besonders verbreitete Form der Fischerei und am Abborresjön nur Chance mit der Spinnrute auf eine Forelle. Wir haben den Tag mit ausführlichem Picknick (im Auto) verbraucht und sind gegen Abend noch bei Karlshamn an die Küste gefahren. Da ich mich dieses Jahr intensiver als die Jahre zuvor,  mit der Küstenfischerei beschäftigen wollte, hatte ich mir vorher den neuen Angelführer Süd- Schweden Teil II zugelegt. Wir haben die Wegbeschreibung auf Seite 111 befolgt und sind zum Sportboothafen gefahren. Von hieraus ist die Insel Boön und die Halbinsel Stärnö gut zu erreichen.  Nach ersten Reviererkundungen bei ungemütlichem Wetter, haben wir es dann doch vorgezogen, wieder zurück ins Ferienhaus zu fahren. Müssen die Meerforellen halt noch einen Tag warten….

 


© Oliver Vogt

 


© Oliver Vogt

Montag, 02.05.2011

Immer noch Ostwind, Temperatur sogar noch weiter gefallen. 5°C lassen nicht unbedingt auf einen warmen Tag hoffen. Die Küste haben wir somit für heute abgeschrieben und sind auf Verdacht gegen 11:00 Uhr zu Kronofiske Harajömala in der Nähe von Olofström gefahren. Und richtig Glück gehabt. Eine Karte für den Flugströmmen war noch zu haben. Sonst lieber vorher anrufen. Ist sicherer. Die Karte ist mit 550SEK recht happig, aber Urlaub ist Urlaub. Also ran ans Gewässer und die 6er Fliegenrute klargemacht. Dann auf Empfehlung einiger Schweden die Gumpen hinter den kleinen Wasserfällen mit Sinkschnur und Streamern ausgefischt und siehe da, hier haben richtig große Regenbogner gebissen. Nach den ersten Fehlbissen und abgerissenen Vorfächern, hier sollte man nicht unter 0,28mm Vorfachstärke fischen, habe ich die erste Forelle des Urlaubs mit 56cm und 2,8kg gelandet. Ein wirklich schöner Fisch in Top- Kondition und mit intakten Flossen. Nach kurzen Unterbrechungen, bedingt durch plötzlich einsetzende Schnee- und Hagelschauern, ging noch eine zweite Forelle mit 44cm und 1,7kg an den Haken und wurde sicher gelandet.

Dienstag, 03.05.2011

Der Ostwind hat immer noch nicht nachgelassen. Dafür sind die Temperaturen leicht gestiegen. Auf 6°C.  Also haben wir den Tag auf dem Sofa mit Lesen verbracht und unsere Palette Gesellschaftsspiele hoch und runter gespielt. Nachmittags haben wir es dann nicht mehr ausgehalten! Die Küste ruft. Zwar hätten wir gemäß Empfehlung der lokalen Guides Markus Zimmer nach Nogersund (Buch Seite 93) fahren sollen, nur war es schon etwas spät, und ich wollte meiner Frau keine Gewalttour zumuten. Schließlich waren wir im Familienurlaub und nicht im Angelurlaub. Kurzum.  Angelführer rausgeholt und Möglichkeiten in der Nähe gecheckt.  Die Wahl fiel auf Boön. Das Revier hatten wir ja schon vorher etwas erkundet und  so hoffte ich,  dass dort vielleicht der Wind den Fisch hingebracht hätte.

Da ich zwar leidenschaftlicher Fliegenfischer bin, aber nicht alles Leid der Welt tragen möchte, habe ich kurzer Hand zur Spinnrute gegriffen. Der Wind war einfach zu heftig. Und was soll ich sagen, ich hatte sogar den ersten Meerforellenbiss meines Lebens. Leider saß der Haken nicht richtig. Während meine Frau den Yachthafen und die Insel unsicher gemacht hat, hab ich mich in 2 Stunden um die Insel rumgefischt. Leider keine weiteren Bisse mehr, dennoch mit einem Lächeln im Gesicht ins Ferienhaus gefahren. Ich hatte ja jetzt den Beweis. Fische sind da.

Mittwoch, 04.05.2011

Endlich hat der Ostwind aufgehört und leicht auf West gedreht.  An die niedrigen Temperaturen hat man sich mittlerweile gewöhnt, sodass ich darüber kein Wort mehr verlieren möchte.

Wir haben mal einen Kulturtag eingelegt und haben die Region  mit dem Auto abgefahren. Sind sogar bis Älmhult gekommen und haben die Wiege von IKEA besucht  Da hier ja Angeln im Vordergrund steht, möchte ich das nicht weiter thematisieren. Wir sind dann jedoch von Älmhult nach Nogersund (Buch Seite 93) gefahren und haben den Strand südlich des Hafens bis zum Ende befischt. Das Revier ist nicht  im Angelführer verzeichnet, hätte jedoch dort einen Platz verdient. Flachwasserzone mit einigen großen Steinen. Waten nur mit Stock zu empfehlen. Stufe 3- 4. Bisse hatte ich keine, was wohl an dem sehr klaren Wasser gelegen haben könnte. Aber auch hier landschaftlich ein Hochgenuss mit interessanten Strandgut und einer Vielzahl von verschiedenen Vogelarten.

 


© Oliver Vogt

 


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Donnerstag, 05.05.2011

Das Wetter ist mittlerweile beständiger geworden. 7-9°C, blauer Himmel. Nichts jedoch im Vergleich zur Vorwoche wie uns erzählt wurde. Da hatte mal kurz der Frühsommer eingesetzt.

Heute haben wir vorerst eine Angelpause eingelegt und alte Freunde, bei denen wir schon seit über 6 Jahren Urlaub machen, zum Essen in Holmsjö, Region Karlskrona besucht. Die Freude war groß und wir haben mal wieder unsere Schwedisch- Kenntnisse vertiefen können. Auf dem Rückweg nochmal kurz im Biskopsberg Fiskecamp angehalten und eine Tageskarte am Automaten gekauft. Ich kann das Gewässer empfehlen, da ich hier schon viele schöne Stunden zu allen Jahreszeiten verbraucht habe. Die Preise sind mit 140SEK moderat und man darf zwei Fische entnehmen. Der Besatz ist gut und da nur Fliegenfischen erlaubt ist, selten von anderen Anglern besucht. Wir haben den Abend noch einen schönen Portionsfisch gefangen, sind jedoch nach dem Harasjömala Besuch vom Montag ziemlich versaut.

Freitag, 06.05.2011

Wir hatten Nachtfrost.  Als ich morgens um 5 Uhr losfahren wollte, musste ich noch Eiskratzen. Das ist wieder mal Schweden pur. Unberechenbar.  Warum fährt der Mensch im Urlaub so früh los? Heute ist der Tag der Tage. Lachs- Trolling mit Markus Zimmer.  Endlich war der Wetterbericht für die Ostsee gut genug, sodass wir eine Ausfahrt wagen konnten. Die ganze Woche habe ich dazu am Telefon gehangen und die Tour von einem Tag auf den Nächsten verschoben. Gestern Abend haben wir Nägel mit Köpfen gemacht, sind uns aber bewusst, dass wir evtl. die Fahrt gegen Mittag abbrechen müssen. Egal!

Ich war letztes Jahr im Mai schon mal mit Markus draußen und habe gut Fisch gefangen. Zwei Lachse mit  92 und 78cm zu je 6 kg das Stück gefangen und ein paar Kleinere wieder released. Dann einen Rekordfisch nach knapp einer Stunde nervenzerfetzenden Drill wieder verloren. Der Fisch war weit über einen Meter groß mit einem Schätzgewicht größer 20kg. Der Bursche hat in der letzten Flucht aus dem Stand noch mal 50m Schnur genommen und ist dann nach einem Seitenwechsel unter dem Boot durch, ausgeschlitzt! Das war´s. Verd….. Mist!

Daher hatte ich dieses Jahr noch eine Rechnung offen. Selbst der wetterbedingt drohende Abbruch konnte mich nicht aufhalten. Schließlich könnte das die einzige Chance in unseren 10 Tagen Urlaub sein. Kurzum, Markus hat mich auch dieses Jahr wieder zielsicher zum Fisch geführt. Nach nicht allzu langer Zeit stellten sich die ersten Bisse am Downrigger ein. Ein Lachs mit 68cm und ca. 3kg wurde sicher gelandet. Ein paar Kleinere wieder released.  Dann ein Biss am Siderigger, also in Oberflächennähe. Nach Aufnahme der Rute merkte ich schon, dass ist ein Großer. Das Adrenalin stieg schlagartig an. Also hatte sich meine Hartnäckigkeit wieder ausgezahlt. Markus hat so schnell es ging eine Bootsseite Rutenfrei gemacht, was ja bei 12 ausgelegten Ruten gar nicht so einfach ist.  Dann konnte der Tanz beginnen. Ich hatte mittlerweile, bedingt durch die Wartezeit,  ungefähr 80m Schnur draußen. Die galt es erst mal wieder auf die Rolle zu bekommen. Nach dem ersten Forcieren des Fisches kamen die Sorgen durch. Wird er gegen Ende wieder aussteigen? Wird er mir auf die andere Seite in die noch ausgelegten Ruten gehen? Sitzt der Drilling richtig im Maulwinkel? Zudem frischte plötzlich der Wind auf. Genau wie im letzten Jahr auch. Jetzt hieß es ruhig bleiben. Wir haben die Zeit zwar nicht gestoppt, aber ich glaube nach 40 Minuten hatten wir den Fisch längsseits. Sicher von Markus gegafft, eine Minute später im Boot. Den Freudentanz der darauf erfolgte, könnt Ihr euch ja sicher vorstellen. Es war geschafft. Im Boot lag ein blitzeblanker Lachs mit 98cm in einer Topkondition. Schätzgewicht 15kg! Kann auch weniger gewesen sein. Wer weiß! Leider hatten wir weder an Bord, als auch später im Ferienhaus keine passende Waage um es amtlich zu machen. Ich hatte kurz mit dem Gedanken gespielt, den Fisch auf dem Rückweg später in Mörrum bei Kronolaxfiske auf die Waage zu legen. Da aber bisher noch kein Mailachs in der Mörrum gefangen wurde, wollte ich dort für keine Verwirrung sorgen. Stellt euch vor, das hätte da einer gesehen…. Kommen wir aber noch mal zurück auf die Ostsee. Wir haben es dann noch gut ein Stunde weiter probiert, sind dann aber nach mehr und mehr aufkommenden Seegangs, gegen 16:45 Uhr wieder zurück Richtung Hafens geschippert. Glücklich und zufrieden, schließlich hatten wir alles gefangen, was man an so einem Tag fangen konnte.

 


© Oliver Vogt

 

Samstag, 07.05.2011

Nachdem die Strapazen und Aufregungen des Vortags verdaut waren, haben wir uns am späten Nachmittag entschieden, nochmal kurz an die Ostsee zu fahren. Da man aber nicht jeden Tag große Fische fangen kann, wollten wir mal im Hafen von Karlshamn nachschauen, ob die Heringe schon da sind.  Die Kaimauer stand geschlossen voll mit Anglern, die Eimer der Kollegen waren jedoch leer, somit hat uns die Insel Stärno wieder mal magisch angezogen. Im Grunde wollte ich nur noch ein bisschen mit meiner Frau an der Küste spazieren gehen und etwas picknicken. Irgendwie war das Wetter aber auch angenehm zum Fischen und der Wind stand leicht aufs Ufer. Die Wassertrübung war ebenfalls günstig. Wie sollte es auch anders kommen: Plötzlich hatte ich die Angelsachen an und die Spinnrute montiert.  Meine Frau war mit meinem Wunsch einverstanden und lief leicht am Ufer vorweg. Ich klopfte erst mal vorsichtig den Uferbereich ab und erspähte dann einen sehr schönen großen Unterwasserstein in ca. 20m Entfernung  zum Ufer. Nachdem ich meinen Heringsblinker  aus drei verschiedenen Richtungen am Stein vorbeizog, kam plötzlich der Biss. Und was soll ich sagen, meine erste Meerforelle war auf der anderen Seite der Rute und der Haken schien fest zu sitzen.  Kurzum, nach einem für mich spektakulären Drill, bin ich beim Landen fast ins Wasser gesprungen, da dieser Fisch partout nicht in den Kescher wollte und da die helfenden Hände meiner Frau weit und breit nicht zu sehen waren. Glücklicherweise fiel mir noch rechtzeitig ein, dass ich keine Wathose anhatte, sondern nur Gummistiefel. Andererseits hätte ich es mir nie verziehen, wenn mir der Fisch entwischt wäre. Egal, da lag sie nun auf dem Felsen.  Meine erste Meerforelle, stolze 64cm mit ca. 2,5kg Kampfgewicht. Pures Blekingesilber! 

Ich hatte in der Zeit wohl so intensiv an meine Frau gedacht,  dass sie schon von selbst auf dem Rückweg war.  Den Fisch hatte ich mittlerweile versorgt und einem Fototermin stand nichts mehr im Wege.  Nach ausführlichem Picknick und Schiffe beobachten bin ich dann nochmal bis zur Landspitze runter gelaufen. Und soll man es glauben, der letzte Wurf des Abends brachte noch eine 54er mit ca. 1,8kg an den Haken. Was für ein Tag….. Was hatte ich die letzten Jahre schon an Zeit und Mühen in diese Fische investiert und nun wurde ich endlich belohnt.

 


© Oliver Vogt

 

Sonntag, 08.05.2011

Nach den Erfolgen der Vortage war erst mal ein anderes Programm angesagt. Wir sind vormittags zum Flohmarkt  im Brunsparken nach Ronneby gefahren und haben uns einen typischen schwedischen Trödelmarkt angeschaut. Man findet jedoch auch allerhand Nützliches und kann eine Menge interessante Leute bestaunen. Im Anschluss haben wir noch etwas eingekauft, um die geschrumpften Vorräte wieder aufzufüllen und da wir ja stark vom Silberbarrenfieber infiziert waren, sind wir natürlich wieder an die Küste gefahren. Stärnö war das Zauberwort, warum sollte es denn nicht wieder klappen? Leider war es so windig, dass sich der Blinker in der Welle nicht führen ließ. Also sind wir unserer zweiten Lieblingsbeschäftigung nachgegangen und haben geschützt zwischen den Felsen Picknick gemacht und sind nach zwei Stunden unverrichteter Dinge wieder abgezogen. Auf dem Rückweg haben wir nochmal kurz im Hafen von Karlshamn gehalten und siehe da, der Hering war eingetroffen. Kurz den Zirkus mit ca. 30 Anglern bestaunt und da wir nicht schon wieder Fische saubermachen wollten, haben wir die Sache einfach auch morgen verschoben.

Montag, 09.05.2011

Wir haben es nicht gemacht. Wir waren nicht Fischen. Ist das vorstellbar? Ja, wir haben alles gefangen, was man so fangen kann und wollten auch keine Fische mehr putzen. Somit haben wir uns einen schönen Tag auf der Ferienhaus Veranda gemacht und uns auf die Abreise am folgenden Tag vorbereitet. Wir wissen ja, wir kommen sicher wieder nach Blekinge….

Fazit: 

Wieder mal ein gelungener Urlaub in unserem geliebten Ferienland der unbegrenzten  Möglichkeiten. Man muss es schon lieben im Frühjahr. Die Rauheit des Wetters und die möglichen Temperatureinbrüche. Hätte ja auch anders kommen können. In der Vorwoche war fast schon Sommer. Man weiß es halt nie. Was man auf jeden Fall gut einschätzen kann, ist das noch wenig andere Touristen da sind und die Mücken noch nicht geschlüpft sind. Ich schweife ab. Es geht ja ums Angeln. Lange Jahre habe ich rumexperimentiert und versucht selber zum Fisch zu finden.  Was hab ich nicht alles ausprobiert. Mein letzter Ansatz waren die regionalen Wanderkarten (Terrängkartan) aus dem Buchhandel.  Da wusste man wenigstens ungefähr wo man ankommt. Mit dem Angelführer von Northguiding ist noch einmal eine weitere Dimension erschlossen worden. Die Luftaufnahme! Die Bilder sind sehr exakt und die Revierbeschreibung zum Foto in allen Belangen zutreffend. Die Zielkoordinaten habe ich nicht geprüft. Wir haben die Stellen auf normalen „GPS- Freien“ Wegen gefunden. Anhand des Luftbildes weiß man endlich im Vorfeld, wo die Hotspots zu finden sind. Am wichtigsten finde ich jedoch die Einstufung der Watschwierigkeit.  Hier war es mir möglich, mich im Vorfeld mit meiner Ausrüstung anzupassen.  Auch die Warnhinweise bezogen auf Abrutschgefahr in manchen Revieren werden sicherlich so einige Angler vor einer bösen Erfahrung bewahren.  

Abschließend möchte ich nach vielen Jahren Schwedenurlaub sagen, dass mich letztendlich die Profis erfolgreich zu den großen Fischen gebracht haben. Seien es nun die Guides oder die Autoren der Bücher.

Ich wünsche allen eine tolle, fischreiche Zeit in Blekinge. Petri Heil!

Oliver Vogt

Angelführer SÜD-SCHWEDEN I + II - 128 Angelplätze & Luftbildaufnahmen

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