Ostseeküste Watfischen auf Meerforellen – Tipps zum Waten & Sicherheit

entnommen aus dem Buch „Küsten-Strategie – Meerforellen“

Bevor in das Wasser gewatet wird, sollte zuerst überlegt werden, ob nicht die ersten Würfe vom Spülsaum erfolgen sollten.
Häufig ist zu beobachten, dass Meerforellenangler direkt ins Wasser waten und versuchen, soweit es die Wathose erlaubt, in das tiefere Wasser zu gelangen. Häufig werden ufernahe Meerforellen dabei vertrieben. Gerade wenn lautstark eingewatet wird, führt der entstehende Lärm / Schall zu einer ungewollten Scheuchwirkung.
Strandabschnitte, die die typische Badewanne aufweisen oder schnell tiefer werden, sollten immer erst vom Strand aus mit einigen, fächerförmigen Würfen abgefischt werden. Besonders am frühen Morgen oder bei aufgewühltem Wasser, das nicht zu trübe ist, kann die eine oder andere Meerforelle in unmittelbarer Ufernähe überlistet werden.
Wird nicht gerade ein lang gezogenes Riff oder ein besonders flach verlaufender Küstenbereich befischt, ist ein besonders weites Einwaten auch nicht erforderlich. Wie häufig ist davon zu hören, dass ein Fliegenfischer im Rücken einer Gruppe Spinnfischer eine Meerforelle fangen konnte.
Auch aus Gründen einer vermeintlich besseren Wurfweite bis zum Bauch einzuwaten, bringt keinen wirklichen Vorteil. Zum einen wirft es sich auf Dauer erheblich entspannter und auch weiter, wenn man nicht ganz so tief einwatet.
Zum anderen nehmen Meerforellen einen aufschlagenden Blinker noch ohne weiteres in einem Umkreis von mindestens 20m wahr und werden bei entsprechender Beißlaune die Verfolgung aufnehmen.
In jedem Fall sollte man sich fischender Weise ins tiefere Wasser vortasten und aufmerksam im Umkreis die Wasseroberfläche absuchen.

 

Watfischen auf Meerforellen

 © Heiko Döbler

Die zu bewatenden Untergründe können sehr unterschiedlich sein und es lassen sich, sechs Schwierigkeitsgrade beim Waten unterscheiden:

1:   sehr leicht = reiner Sandgrund
2:   leicht = steinig mit Sandflächen / noch kein Watstock nötig
3:   schwierig = durchweg steinig / größere Steine / Tangwälder (bei wenig Watroutine Watstock empfohlen)
4:   anspruchsvoll = viele große glitschige Steine / Tangwälder (Watstock erforderlich)
5:   sehr schwierig = sehr große und viele glitschige Steine, viele Löcher, durchaus auch gefährlich
                                      (Watstock zwingend erforderlich, tiefes Einwaten kaum möglich)
6:   nicht möglich = Felsenküste / steile tiefe Kanten

Diese Kategorisierung der Schwierigkeitsgrade ist auch Bestandteil der Angelführer von NorthGuiding.com.
Jede Angelstelle enthält auch diese Information, um jedem eine schnelle Einschätzungsmöglichkeit zu geben, was ihn wattechnisch dort erwartet.
Gerade in anspruchsvollen Revieren wie Südschweden, Bornholm oder auch Rügen sollte keinesfalls auf den Watstock verzichtet werden.
Der Watstock wird mit einer ausreichend langen Leine am Watgürtel gesichert.
Über kurz oder lang wird jeder Küstenangler einmal ein (Voll-)Bad in der Ostsee nehmen.

 

Meerforellen in der Ostsee

© NorthGuiding.com

Meerforellen in der Ostsee

© NorthGuiding.com

 

Die Situationen, die hierzu führen, können ganz unterschiedlich sein:

• über einen Stein stolpern
• zu tief gewatet, um z.B. noch die nächste Sandbank zu erreichen
• von einer Welle überrascht

Die wichtigste Sicherheitsmaßnahme ist es, konsequent einen Watgürtel zu tragen,, um das Eindringen von Wasser deutlich zu minimieren. Gleichzeitig erschwert eine geschlossene Watjacke ein zu schnelles Eindringen des Wassers.
Verliert man den Boden unter Füßen, kommt man um einige Schwimmzüge nicht herum, um wieder festen Boden unter die Füße zu bekommen.

 

Meerforellen in der Ostsee

© NorthGuiding.com

Meerforellen in der Ostsee

© NorthGuiding.com

 

Aufgrund der Luft in den Hosenbeinen (besonders bei atmungsaktiven Wathosen) kommt es vor, dass es schwierig wird, die Füße wieder richtig auf den Boden zu stellen. Hier hilft es, die Beine anzuwinkeln, mit beiden Armen rudernd das Gleichgewicht zu halten, um dann die Beine in Richtung Untergrund zu drücken. Im Zweifel muss man einige Schwimmzüge in der Rückenlage machen.
Unangenehm kann es sein, wenn man z.B. von einer Welle im knapp oberschenkeltiefen Wasser von den Füßen gerissen wird, was gern einmal beim Zurückwaten zum Strand geschehen kann. In dieser Tiefe und wenn dann noch Welle dazu kommt, kann es ebenfalls schwierig werden, die Füße wieder auf den Boden zu bekommen.
Wichtig ist es dann, möglichst nicht in Panik zu verfallen und im Zweifel lieber die Rute loszulassen, als keinen Halt zu bekommen oder ausreichende Schwimmbewegungen machen zu können. Wenn man in die Rückenlage gerät, bleibt nichts anderes übrig, als sich auf den Bauch zu drehen, um schnellst möglich wieder Bodenkontakt herzustellen, um aufstehen zu können.
Läuft eine Wathose tatsächlich komplett voll, ist die Bewegungsfreiheit sehr stark eingeschränkt. Waten oder schwimmen wird zu einem ernsthaften Problem. Neoprenhosen liegen enger an und laufen in Verbindung mit einem Watgürtel deutlich weniger voll als die weiteren, atmungsaktiven Wathosen, die sich aber komfortabler tragen lassen.
Bei unbekanntem und schwierigem Terrain sollte immer ein Watstock genutzt werden und am besten erkundet man einen neuen Watweg bei ruhigen Wetterverhältnissen und lieber in Begleitung als allein auf sich gestellt.
Gerade bei kalten Wassertemperaturen sollte jeder im Sinne der eigenen Sicherheit umsichtig vorgehen und auf keinen Fall ein unnötig hohes Risiko eingehen. Insbesondere wenn man alleine unterwegs ist.

 

Meerforellen in der Ostsee

© Heiko Döbler

Michael Zeman & Heiko Döbler

www.nordguiding.de

Möchten Sie mehr über das Thema Küstenfischerei / Meerforellen wissen? In dem Buch „Küsten-Strategie – Meerforellen“ finden Sie eine umfassende Beschreibung dieser spannenden Fischerei.
Küsten-Strategie - Meerforellen