Meerforellen im Fluss

von Heiko Döbler

Eine unglaublich spannende Angelegenheit ist das Fischen auf Meerforellen im Fluss.
Wir können davon ausgehen, dass sich im gesamten Jahr anadrome Salmoniden in unseren Flüssen aufhalten, da die letzten Kelts (Absteiger), die sich auf dem Rückweg zum Meer befinden, schon wieder mit den ersten Blankfischen (Aufsteigern) zusammentreffen können.

April/Mai:

Im Frühjahr bringen uns die ersten spürbaren Wasserstandsveränderungen im April/Mai blanke Aufsteiger in die dänischen Auen.
Die Aufstiegswege vom Meer zu den Fangplätzen sind nur kurz und die Fische reagieren auf steigendes Wasser sehr schnell.
Wie auch beim Lachs stellen sich jetzt meist sehr große Meerforellen auf den Standplätzen ein und eine Befischung kann in dieser Zeit immer eine Überraschung in Form eines starken Aufsteigers bringen.
Es sind meist kleinere Runs von mehreren Fischen, daher sollte der Angler auch nach dem Fang einer Meerforelle noch Zeit investieren, denn jetzt besteht eine gute Chance auf einen weiteren Fisch.
In diesen frühen Tagen bestehen sehr gute Aussichten, einen Fisch zwischen 4.00kg und 6.00kg zu überlisten.
Größere Meerforellen sind jederzeit möglich, aber sicher nicht die Regel.
Jetzt sollten die bekannten Standplätze immer wieder befischt werden und der Erfolg wird sich einstellen.

 

Meerforellen Angeln

© Heiko Döbler

Juni:

Mit weiteren Regenfällen werden immer wieder neue Fische aufsteigen, aber die Zeit ab Ende Juni bringt uns auch die ersten Runs von kleineren Sommerfischen.
Pralle, kampfstarke Meerforellen mit losem Schuppenkleid, in Größen von 55 bis 60 cm.
Hier handelt es sich nicht nur um zukünftige Laichfische, sondern auch um Fressfische, die zwischen Fjord und Fluss hin und her wandern.
In den Sommermonaten verlassen sie gern das zu warme Wasser der flachen Fjorde, und nutzen das kältere Wasser in den Auen.
Diese Meerforellen nehmen mit großer Aggressivität die nah der Oberfläche geführte Tubenfliege in der Driftphase.
Aber in diesen Sommertagen lassen sich die Fische in vielen Flusssystemen erst in der Nacht fangen.
Hier muss sich der Angler auf die aktive Phase der Fische einstellen, erst dann wird er auch zum Erfolg kommen.

 

Sommerfischen und Meerforellen

© NorthGuiding.com

Juli/August:

Nun haben sich die Meerforellen schon zum Teil über weite Strecken im Fluss verteilt, aber wer seine Auen und die Bewegungen der Fische kennt, wird sie finden und zu fangen wissen.
Viele Fische zeigen jetzt schon einen Ansatz von Laichfärbung, andere kommen noch silberblank herein.
In diesen Wochen ist noch alles möglich.
Jede Veränderung des Wasserstandes  lässt weitere Meerforellen aufsteigen, die dann die älteren Standfische von ihren Plätzen verdrängen.
Diese Bewegung sorgt für zunehmende Aggressivität  unter den Fischen, die wir Angler für uns nutzen sollten, um erfolgreich mit der Fliegenrute, oder aber mit der Spinnrute am Fluss zu fischen.

 

Meerforellen

© Heiko Döbler

September/Oktober:

Jetzt haben die meisten Meerforellen ihre Laichfärbung angenommen.
Die Milchner tragen imposante Laichhaken und zeigen sich in den schönsten Farben.
Von Woche zu Woche fällt die Wassertemperatur weiter ab und die Fische bewegen sich in Richtung ihrer Laichplätze.
Aber auch in dieser späten Zeit schieben sich noch immer neue Fische aus dem Meer kommend in die Auen ein.
Gerade in diesen Monaten hat der Einsteiger eine ausgezeichnete Chance einen starken Herbstöring zu haken.
Ob der Angler seinen Fang  in dieser Zeit entnehmen möchte, sollte er für sich ganz allein entscheiden.
Die Bestände in Dänemark sind wieder so groß, dass die Entnahme von Herbstfischen sich in keiner Weise nachteilig auf den Meerforellenbestand auswirkt.
Aber viele Flussfischer setzten ihre Fänge in diesen Tagen zurück  (in Dänemark erlaubt und auch gern gesehen).

 

Meerforellen im Fluss

© Heiko Döbler

November bis März:

Da die Schonzeit in Dänemark inzwischen auf 5 Monate verlängert wurde, ist das frühere Keltfischen inzwischen zum Erliegen gekommen.
Eine sehr gute Entscheidung, denn diese erschöpften und ausgemergelten Meerforellen bieten weder an der Fliegenrute, noch an der Spinnrute einen guten Sport, noch sind sie eine Bereicherung für die Küche.
So können wir darauf hoffen, dass wir auf feiste, kampfstarke Blankfische treffen, wenn sie sich erneut auf den Weg in die Flüsse und Auen aufmachen.
Durch diese vernünftige Schonzeitregelung gibt es auch kein Fischen auf Grönländer im Fluss mehr.
Allerdings bieten uns die milden Winter der letzten Jahre auch nicht mehr die Temperaturen, die wir für diese Fischerei benötigen.
Zudem lassen sich diese kleinen Fische weitaus effektiver im Winterhalbjahr an der Küste fangen.

Zur Befischung:

Nicht immer muss das Fischen auf Meerforellen im Fluss ein reines Nachtfischen sein.
Viele meiner Sommerfische fange ich in den noch hellen Abendstunden, oft noch bei Sonnenschein.
Das richtet sich nach bestimmten Faktoren wie Wasserstand, Sichtigkeit und dem allgemeinen Befischungsdruck
und natürlich nach dem zu befischenden Flusssystem..
 
Aber die klassische Fangzeit ist im Sommer die Nacht.
In den dunklen Stunden reicht dann auch für den Fliegenfischer eine Floating-Line, bzw. eine Intermediate-Line.
Je nach Wasserstand, oder aber für das Fischen am Tag sollte man aber auch den Einsatz von Schussköpfen in unterschiedlichen Sinkraten einplanen.
Eine Fliegenrute der Klasse 7 rundet das Bild ab und ist für das Öringfischen in den kleineren Auen die richtige Wahl.
Auch sehr große Meerforellen lassen sich an diesem Gerät problemlos beherrschen.
 
Nach den Renaturierungen vieler Flusssysteme wurde die Struktur der Flüsse entscheidend verändert.
Die nun  zum Teil starke Vegetation und die dadurch eingeschränkte Fließgeschwindigkeit, können das Fliegenfischen in einigen Fluss-Systemen im Sommer sehr erschweren, ja sogar unmöglich machen.
 
Hier bewirkt eine leichte Spinnrute oft wahre Wunder.
Spinner in den Größen 3 bis 5 oder Blinker bis ca.15gr sind die richtige Wahl.
In vielen Auen werden schwimmende Wobbler eingesetzt.
In schwierigen Passagen kann der Angler sie unter den Überhang der Ufervegetation treiben lassen und erreicht auf diese Weise auch noch  Standplätze, die sonst nicht mehr befischbar sind.
 
Der Spinnköder kann selbst zwischen den Krautfahnen noch hängerfrei geführt werden, und nicht selten bringt schon der erste Wurf am bekannten Standplatz sofort einen Biss und mit Glück und Erfahrung auch den Fisch.

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Fluss-Strategie - Meerforellen